Ich verstehe dich gut. Du siehst an dir selbst alle möglichen Fehler, fühlst dich nicht sportlich, schön, intelligent, erfolgreich, gesund oder fähig genug. Und dann kommt jemand und sagt: “Liebe dich selbst, dann geht es dir besser !”

Wie sollst du dich denn selbst lieben angesichts all dieser Mängel, die du an dir siehst ? Du bemerkst sie ja ständig! Sei es, weil dein Bauch dir zu schwabbelig ist, weil dein letztes E-Mail mit Fehlern weggeschickt wurde, oder weil du wieder einmal deinen Autoschlüssel in der Wohnung oben vergessen hast … Diese Liste kannst du sicherlich für dich ins Unendliche fortsetzen …

Wenn man bei Google “Selbstliebe lernen” anfragt, erhält man eine lange Liste von Tipps, die unterschiedlich stark wirken, aber meist nicht wirklich den Kern der Sache berühren.

Hier kommen vier Schritte, die, meiner Ansicht nach, unverzichtbar sind, um dem Ziel “Selbstliebe” näher zu kommen:

Schritt 1: Du bist nicht schuld.

Die natürlichste Reaktion ist jene, die wir oftmals in der Kindheit gelernt haben: Bestimmt hat auch dir irgend jemand immer wieder gesagt, du sollst
“endlich mal nicht mehr … !” oder
“wann fängst du endlich mal an … ?”
Diese Erfahrungen gibt es natürlich in vielen Intensitäten.
“Aus dir wird sowieso nie etwas, wenn du so bist …”
“So wirst du nie einen guten Beruf haben …”
“So wirst du nie eine Frau/einen Mann finden !”

Und natürlich noch weit schlimmere Varianten, die einem Kind zeigen, dass es lästig oder unerwünscht ist, oder die es psychisch oder sogar physisch quälen.

Suggestionen sind ein sehr, sehr machtvolles Instrument, um innere Einstellungen eines Menschen zu ändern.
Wie machtvoll sind also dauernde negative Suggestionen einen Kind gegenüber !

Dass du dies als Gewohnheit in dein Erwachsenenleben mitgenommen hast, ist weder verwunderlich, noch solltest du es dir selbst vorwerfen.
Jeder von uns schleppt Erlebnisse aus der Kindheit mit sich herum. Manchmal hilft es, sie zu kennen, aber meistens werden sie dadurch nicht unbedingt besser.
Darum ist es wichtig, zu erkennen, dass man selbst aktiv werden muss, wenn man etwas verändern will.

Schritt 2: Sieh’ genau hin !

Wichtig ist, dass du dreier wichtiger Grundsätze bewusst bist. Sie gelten “immer und überall”:

1. Du bist als Mensch grundsätzlich liebenswert !
2. Du hast als Mensch die Berechtigung, zu leben und glücklich zu sein !
3. Wenn du keine Fehler hättest, wärest du kein Mensch !

Was auch immer du über dich denkst und an dir kritisierst: Es ist vermutlich nicht ganz realistisch.

  • Du bist vielleicht leicht übergewichtig, aber vermutlich hast du keine 200 kg !
  • Du lässt zwar deinen Schlüssel immer wieder mal liegen, aber du hast ihn (und andere wichtige Dinge) auch oft dabei.
  • Du machst Fehler, aber andere machen das auch !

Mache dir klar bewusst, was du täglich richtig machst, was du geleistet hast, was an dir schön und liebenswert ist. Nimm’ ernst, was Menschen durch dich an Hilfe erhalten, wie sie von dir profitieren. Oft sind es die 1000 Kleinigkeiten, die wir allzugerne übersehen !
(Übrigens: Perfekte wirkende Menschen sind für andere gelegentlich auch abschreckend … Man fühlt sich eigentlich wohler, wenn andere auch Fehler oder Schwächen haben …)

Schritt 3: Sage dir selbst das Gegenteil !

Suggestionen sind enorm machtvoll, also auch solche, die wir uns konsequent über Jahre selbst gesagt haben !
Mal ehrlich: Wie oft hast du dir selbst gesagt: “Du bist so fett !” “Du bist so schusselig !” “Dich mag je eh niemand wirklich !” “Du bist ein Vollidiot !”

Dies ist der schwierigste Schritt, aber auf dem Weg zu einer guten Meinung über dich selbst wird er dir nicht erspart bleiben: Sage dir selbst das Gegenteil !

“Ich bin schlank und sportlich”
“Ich bin konzentriert und achtsam”
“Ich tue Dinge genau und gut.”

Und weiter :

“Ich bin wertvoll”
“Ich gönne es mir, glücklich zu sein”
“Ich bin es wert, erfolgreich zu sein”

Dies kann – zugegeben – ganz schön schwierig sein. Aber:

es ist der schnellste und effektivste Weg, mit sich selbst glücklicher zu werden.

Schritt 4: Es muss nicht immer Selbstliebe sein !

Sich selbst zu lieben, ist ein ganz schön hoher Anspruch !

  • Wie stellst du dir einen Menschen vor, der sich selbst liebt ?
  • Steht er/sie ständig vor dem Spiegel und vergöttert seinen Anblick ?
  • Macht er/sie alles perfekt und ist jeden Tag am Abend rundum zufrieden mit sich selbst ?
  • Ist er/sie nach außen immer strahlend, positiv und von nichts aus der Bahn zu bringen ?
  • Trinkt er/sie genussvoll Tee, auch wenn er/sie eigentlich lieber Schokolade hätte ?
  • Cremt er/sie jeden Tag genussvoll seinen/ihren Luxuskörper ein ?
  • Ist er/sie glücklich über jeden kleinen Erfolg und steckt alle Misserfolge locker weg ?

Wenn du dies denkst, liegst du falsch !

“Selbstliebe” ist ein sehr hoher Anspruch, den nur wenige erfüllen können.

Vielleicht sollte man diesen Anspruch verringern:

“Ich nehme mich an, so wie ich bin, und arbeite daran, mich zu verbessern.”

“Ich sehe das Besondere in mir, ich sehe das Besondere in dir.”

“Ich sehe meine Stärken und verändere mich in dem Tempo, das gut für mich ist.”

“Ich schätze das, was ich gut kann”

“Ich verändere mich in kleine Schritten”

Mit einem Male sind wir hier weg von dem hohen Anspruch “Selbstliebe” und landen bei:

Selbstannahme
Selbstakzeptanz
Selbstfürsorge
Sich selbst schätzen

Menschen, die ein gutes Maß an Selbstliebe, Selbstannahme, Selbstfürsorge haben, lieben sich selbst genau so, wie sie auch einen Partner lieben. Sie sind manchmal genervt oder verärgert, oft aber liebevoll und sanft. Sie versuchen, ihm zu helfen, sie verwöhnen ihn gelegentlich, sie regen ihn an, sich zu verbessern. Und sie verbringen regelmäßig eine schöne Zeit zusammen. Und sie erkennen, dass der meiste Unmut nicht am Partner liegt, sondern an ihrer eigenen Betrachtungsweise …

Für diesen gesamten Prozess gibt es sehr hilfreiche Übungen und Werkzeuge. Nütze sie, baue sie in deine täglichen Rituale ein !

In diesem Sinne wünsche ich dir eine sehr friedliche Zeit mit dir selbst !

Monika Mental