Der Kosmos in deinem Körper.

Wie faszinierend deine Darmflora ist und was sie für dich tut.

Wusstest du dass …

… In deinem Darm 1,3 mal so viele nützliche mikroskopische Kleinstlebewesen leben, wie du Zellen im Körper hast ?

… diese in einer hoch komplexen Gesellschaft leben?

… diese Mikroben sehr viele Körperfunktionen beeinflussen, sogar das Körpergewicht ?

… dass das Gesamtgewicht aller Bakterien in deinem Darm bis 2 kg betragen kann?

Diese Besiedelung des Darms nennt man „Darmflora“. Dies geht auf eine alte Auffassung zurück, nach der man glaubte, diese Lebewesen im Körper seien Pflanzen. Eine Zeit lang dachte man dann sogar, dass die Darmflora krank machende Bakterien seien, und versuchte, sie zu bekämpfen. Heute weiß man es besser.

Dein Darm ist mit 10 bis 100 Billionen (Eine Billion sind immerhin 1000 Milliarden!) Mikroorganismen besiedelt (1). Sie vollbringen überaus wichtige Aufgaben in deinem Körper. Sie stammen aus vier bakteriellen Abteilungen und man geht davon aus, dass der Mensch 36.000 (!) Arten von Bakterien in sich trägt.

Warum ist diese Darmflora so wichtig für uns ?

Die Mikroorganismen in unserem Darm haben sehr viel mehr Aufgaben und Funktionen, als wir gemeinhin glauben. Hier nur die wichtigsten:

  • 80% der Immunzellen des Menschen werden im Darm gebildet.
  • Viele krank machende Erreger werden direkt von den Bakterien vernichtet.
  • Vitamine können auch von Darmbakterien produziert werden (B1, B3, B3, B12, K)
  • Bakterien können Ballaststoffe der Nahrung verdauen.
  • Die Darmschleimhaut wird von ihnen mit Energie versorgt.
  • Die Darmbewegungen werden durch die Darmflora angeregt und gesteuert.
  • Die Resistenz des Körpers gegen Hitze wird gefördert
  • Darmkrebs wird vorgebeugt.
  • Pathogene Pilze werden unter Kontrolle gehalten.

Und für viele besonders attraktiv:

Eine gesunde Darmflora hält das Körpergewicht stabil.

Diese Fakten sollte man sich einmal bewusst durchdenken. Doch die größte Überraschung erlebt man, wenn man nach der Funktion der Darmflora im gesamten Körper fragt.

Die Darmflora beeinflusst deine Gefühle !

Heute weiß man, dass die Darm-Mikroben auch einen wichtigen Anteil an unserer Stimmungslage haben. Auf eine noch nicht vollständig erforschte Weise kommunizieren sie mit unserm Gehirn. Diese Kommunikation findet offenbar wechselseitig statt und nutzt fünf verschiedene Wege der Nachrichtenübermittlung:

  • Neuronale Netzwerke
  • Hormon-Netzwerke, Immunsystem
  • Neurotransmitter
  • neuronale Regulatoren, die die Darmbakterien produzieren

Beeinflusst wird dadurch:

  • das sympathische und das parasympathische Nervensystem
  • das Immunsystem und das Neuroendokrinologische System (Hormonsystem)

Dies bedeutet, dass die so genannte Darm-Hirn-Achse (engl. Gut-brain-axis) maßgeblich die Physiologie, das Verhalten und die kognitiven Funktionen des Hirns beeinflusst (4). Dies wirkt natürlich auf unsere Emotionen, unsere Gedanken und letztlich auch unsere Entscheidungen. Der Zustand unseres Darms kann Glücksgefühle auslösen, Stress erzeugen, Entspannung fördern, Energie spenden.

Man hat beispielsweise 2019 in einer Studie an depressiven Patienten gefunden dass Darmflora aller Probanden bestimmte Bakterienstämme in nur sehr geringem Maße aufwies. Dies übrigens auch nach Einnahme von Antidepressiva ! (2).

Ebenso hat man nachgewiesen, dass Alzheimer, Parkinson, Autismus, multipler Sklerose und Übergewicht mit einer gestörten Darmflora einhergehen.

Verständlich wird dies, wenn man weiß, dass:

Darmbakterien den Hormonhaushalt beeinflussen und sogar Hormone bilden können.

Keinesfalls kann natürlich jede Depression behandelt werden, indem man die Darmflora verbessert. Das „Henne-oder-Ei-Problem“ ist noch ungeklärt. Jedoch kann dies alles zeigen, dass es in unserem Inneren maßgebliche Kräfte gibt, die es lohnt, zu kennen.

Was kann bei einer gestörten Darmflora geschehen?

Das ist nach den obigen Erklärungen relativ leicht zu erraten:

  • Verdauungsbeschwerden
  • Entzündungen
  • Schwaches Immunsystem
  • Stoffwechselstörungen
  • Darmkrebs
  • Antibiotikaresistenz
  • Pilzerkrankungen
  • Depressionen
  • Stimmungsschwankungen
  • Stress

Besonders wichtig ist:

jedes vierte pharmazeutische Medikament stört die Darmflora ! (3)

Man sollte also mit Bedacht entscheiden:

Lohnt sich die Einnahme eines Mittels tatsächlich ? Kannst du (natürlich gemeinsam mit deinem Arzt) vielleicht Medikamente reduzieren ? Gibt es andere Möglichkeiten als Antibiotika zu nehmen ?

Was kannst du für deine Darmflora tun ?

Nach allem Gesagten ist es schon einmal ein sehr positiver Schritt, wenn du gelegentlich am Tag mal einen wertschätzenden Gedanken für deine Darmflora übrig hast. Denke, wenn du isst, kurz daran, was sie für dich und deinen Körper täglich leistet. Ohne dass du dafür irgend eine Anstrengung vollbringen musst. Einfach unbemerkt und bescheiden.

Wenn du dann noch deine Darmflora mit gesunden Nährstoffen versorgst, hast du schon sehr viel für sie, für dich und für deine Gesundheit getan !

Was sind gesunde Nahrungsmittel für die Darmflora ?

Alles, was viele Ballaststoffe hat:

  • Gemüse
  • Obst
  • Vollkorngetreide
  • Hülsenfrüchte
  • Wenn du ganz gezielt etwas Förderliches zu dir nehmen willst:
  • Leinsamen
  • Weizen-, Haferkleie
  • Haferflocken
  • Sauerkraut (möglichst roh)
  • Bifidusmilch
  • Acidophilusmilch
  • Kefir
  • Miso
  • Sogenannte „Effektive Mikroorganismen“ (Man kann sie, wenn man möchte, auch einnehmen, obwohl sie nicht dazu gedacht sind).

Was kannst du bei einer gestörten Darmflora tun?

Sogenannte „Probiotische Lebensmittel“ sind in ihrer Wirkung nicht wissenschaftlich bewiesen, können aber helfen. Sie sind mit potenziellen Darmbakterien angereichert. Es ist anzunehmen, dass sich in den nächsten Jahren hier noch vieles auf Seiten der Wissenschaft und der Lebensmittelindustrie tun wird.

Also:

Achte auf deinen Darm. Die Mikroben darin sind „Freund und Helfer“ !

(1) https://www.biorxiv.org/content/10.1101/036103v1 Stand 18.8.2020

(2) Valles-Colomer, M. et al. 2019. The neuroactive potential of the human gut microbiota in quality of life and depression. Nat Microbiol. 4(4):623–32.

(3) https://www.embl.de/aboutus/communication_outreach/media_relations/2018/0319_Nature/index.html#deu-ver Stand 13.7.2020

(4) Wang, Hoh-Xing, Wang, Yu-Piang, Gut Microbiota-brain Axis. Online: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27647198/ Stand 18.8.2020